20160719

akademiker sind doof

Osaftschorle mit ohne Kohlensäure
Als ich von der Toilette zurückkam, hatte sich vor meinem Bierstand in der Zwischenzeit eine kilometerlange Schlange aufgestaut. Meine Kurzzeitvertretung beobachtete dieses Phänomen ziemlich passiv, mit einer speziellen Art von wissenschaftlichem Interesse, vielleicht auch mit relativer Hilflosigkeit. Tatort: Ein Straßenfest irgendwo in Friedrichshain. Ich hatte mich breitschlagen lassen, für umsonst am Bierstand zu arbeiten. Nein, ich tat das eigentlich ziemlich gerne.

Ich schob ihn sanft beiseite und beauftrage ihn - um ihn zu erlösen und aus dem Weg zu haben - einen Kasten Cola und stilles Wasser zu holen, gleichzeitig schenkte ich drei Apfelschorlen und vier Orangensaftschorlen ein. Vier davon mit Kohlensäure, drei ohne und eine davon dann doch mit Kohlensäure und aber bitte nicht zu kalt. Weiters gab ich noch eine Bestellung an die eifrigen Kollegen am Zapfhahn weiter. Ich wirkte ganz sicher gestresst, und ich war angesichts der erwähnten kilometerlangen Schlange auch. Dann wurde es fatal, ich wagte es, auf die Preisliste zu schauen.

"Kennt' die Preise wohl nicht? Ihr seid wohl alle Akademiker, was?". So schlug es mir ungeduldig und etwas verächtlich entgegen. Darauf folgte die Frage: "Sie wahrscheinlich auch, sind doch auch Akademiker, was?" Meine Frage nach dem "Weshalb" dieser Anfragen wurde einfach ignoriert: "Naja, so ein Akademiker eben.", so wurde festgestellt. Bei der notorischen Fragerin handelte es ich um eine Frau von vielleicht Mitte sechzig, sie wirkte recht rüstig, aber auch altbacken, war viel zu beige, braun und warm angezogen; und sie bohrte mich mit etwas feindseligen und harten Blicken an. Ihr Mann stand - wie das Männer oftmals tun - vollkommen teilnahmslos daneben. Guckte nur.

Ich ahnte, was sie dachte: Diese Akademiker sind für echte, händische Arbeit zu blöde, weil die nämlich nicht wissen, was Maloche wirklich bedeutet, weil sie keine Steine schleppen, weil die eigentlich gar nicht richtig arbeiten wollen. Während sich der anständige Mensch bereits 'nen Buckel geschafft hat - vom Steineschleppen - und fleißig in die Rentenversicherung einzahlt, hängen die an diesen Unis 'rum, studieren sinnloses Zeugs und rauchen Hasch, bis sie endgültig und vollkommen blöde werden. Ist doch fast so schlimm wie diese Arbeitslosen, oder? Dann sitzen diese Leute nur in ihren Büros, tippen - anstatt Steine zu schleppen - auf ihren Computern herum, telefonieren und schreiben diese Emils oder wie die heißen.

An dem was sie sagte, war durchaus etwas Wahres dran, aber anstrengend und stressig kann das trotzdem sein, so mit den Emils und dem Schwätzen und so, finde ich zumindest. Doch ich war durch die ganze Situation - kilometerlange Schlange, aber das erwähnte ich schon - etwas genervt, gestresst zudem in meiner Akademikerehre gekränkt und packte daraufhin rachsüchtig die Sarkasmuskeule aus. "Nee, bin gelernter Stahlbetonbauer. Schauen sich meine Hände an." Ich zeigte ihr schnell meine zarten Akademikerhände. Zog sie gleich wieder weg. "Mit Gewerkschaft. IG Bau, Steine und Erden. Seit 1978. Aus der SPD bin ich nach Schröder ausgetreten." Mit der Aussage konnte sie nichts anfangen. Wollte sie auch nicht. Es ging ihr nicht um's Zuhören. Mein Sarkasmus sauste deshalb in die Leere.

Stattdessen fuhr sie fort: "Ich hab' hier nämlich auch 'mal gelebt, ja, und dann kamen die Akademiker.", so merkte sie an und nickte dabei anklagend mit dem Kopf.  Hörte sich ein bisschen an wie, dann fielen diese Hunnen aus den Steppen Vorderasiens über uns her. "Kenn' ich", sagte ich, "aus Neukölln. Erst die Studenten. Dann diese Künstler, dann eben Akademiker und dann gehen die Mieten hoch. Kann sich ein ehrlicher, arbeitsloser Stahlbetonbauer kaum mehr leisten." An meine Zapfkollegen gab' ich eine weitere Order weiter: "Noch drei Bier für die beiden Herren, bitte."

Ihr Blick geriet skeptischer, aber auch doch etwas fragend, irgendwie war ich mit meinen blödsinnigen Bemerkungen in ihre feste Gedankenwelt eingedrungen oder sie hatte zumindest mein Anklopfen bemerkt, ich ahnte beinahe einen Hauch von Interesse, allein der Wille zur ernsthafter Erörterung und sachlichem Diskurs war offensichtlich einfach nicht stark genug.

"Ihr Bier bekommen sie da drüben bei den Kollegen am Ausschank, der hat die gerade gezapft.", so wies ich sie präzise an. Mein Kollege streckte ihr leicht schwitzend die Biere entgegen und kümmerte sich um die nächste Bestellung. Sie nahm die Becher und wollte gerade gehen, da rief ich recht streng "Entschuldigung, aber das Bezahlen nicht vergessen, meine Dame. Bei mir, fünf Euro, bitte.".

Worauf sie die Biere wieder abstellen musste, zornig, dass sie sich vor dem Akademiker oder was auch immer eine Blöße gegeben hatte, zudem vor den Augen der hinter ihr in der Schlange wartenden Bierdürstigen, deren Ungeduld und Unwille sich nun auf sie bezog. Sie fischte umständlich, hektisch in ihrem Portemonnaie nach passenden Münzen, die sie nach der berühmten Ewigkeit herausgebohrt hatte und mir ärgerlich in die Hand drückte und dann schleunigst grummelig das Weite suchte. Ihr Ehemann stapfte schweigend hinterher. Nichts anderes hatte ich von ihm erwartet. "Halt!", rief ich ihr nach, "Sie haben ihr Bier vergessen, meine Werteste." "Ziemlich schusselig, vielleicht ja auch eine  eine Akademikerin.", lachte es rachebefriedigt aus der dunklen Ecke meiner Seele.

Und dann kümmerte ich mich wieder um die nächste Apfelsaftschorle, nicht zu kalt durfte sie sein, logisch, das Mineralwasser teils mit und teils ohne Kohlensäure. Ob der Direktsaft auch aus garantiert, ökologischem Anbau stamme, so die Frage einer äußerst attraktiven Enddreißigerin, wahrscheinlich aus der Gegend, so vermutete ich. „Aber sicher doch. Direkt und ausschließlich. Wir passen da schon auf.“, behauptete ich und der standesbewußte Neuköllner Arbeiterjunge in mir dachte zur selben Zeit: „ Pffft, was für eine Bestellung, Kohlensäure, ökologischer Anbau, Direktsaft, etc., denen da in Friedrichshain, denen geht’s doch allen viel zu gut.“

20151009

berlin nightmares

Was für eine Nachtmar....buuuahha!
Man stelle sich vor. Mich vor. Unterwegs in Berlin. Vor ein paar Wochen. Irgendwo. Schlendere angesichts des schönen Spätsommerwetters in guter Stimmung und einem leichten Lächeln umeinander.

Ich näherte mich einem TV-Team, mit einer riesigen Kamera ausgerüstet, von Form und Größe durchaus an eine Bazooka erinnernd. Der Tonmensch trug eines dieser pudelförmigen, pudelgroßen, wuscheligen Mikrofone vor sich her. Dabei stand - lauernd - dieser TV-Moderator aus der Schweiz, genau, der mit dem markanten Kinn und der sonoren Stimme.

"Ah, der junge Mann lächelt so freundlich, er wird mir sicher einige Fragen beantworten, nur ganz kurz, für's Kulturprogramm des RBB", so schlug es mir entgegen. Schon beim Anblick des Fernsehteams hatte ich mir vorgenommen, gerade eben das nicht zu tun, und so stammelte ich etwas wie "Nenee, bin leider etwas in Eile" und eilte auch flugs vorbei, drehte mich aber noch einmal um und rief freundlich: "Bin aber sicher, dass sie ein anderes Menschenkind finden werden." Der TV-Frager brummelte ein "Jaja, klar, ciao".

Wandte mich wieder um und stieß beinahe mit einem düster, leicht bedrohlich und etwas verbittert dreinblickenden Zeitgenossen zusammen, der mir ein entsprechend schroffes "Eih, hör auf damit!" entgegen schleuderte, worauf ich beschwichtigend ein "T'schuldigung, ist ja okay" murmelte.

Im Moment meiner moderaten Entschuldigung passierte ich einen leicht dümmlich aus der Wäsche schauenden, aus hormonellen Gründen und mangelndem Selbstvertrauen offenbar zwanghaft seine Männlichkeit beständig nachweisen müssenden Spätpubertär, der mit einem "Eih du, hast du was gesagt, Bastard!" drohte. Sicherheitshalber antwortete ich, mich wieder umdrehend: "Nee, hab' nicht mit dir gesprochen".  Worauf er gönnerhaft mit "Okay, dann kannst du weitergehen." antwortete. Ein überflüssiger Hinweis. Hatte ich eh gemacht. Außerdem dachte ich: "Selber Bastard!"

Es erfolgte nun ein erneutes, dieses mal hastiges, leicht erschrockenes Umdrehen, das mich mit einen Blick in die Augen einer quasi wie aus dem Nichts auftauchenden, mir unbekannten, äußerst reizenden, bestimmt charmanten Frau beschenkte, die mich wunderbar lächelnd und mit einer leichten Berührung am Unterarm mit "Hey, sehr schön dich zu sehen, wie geht's dir so?" passierte.

Ich versuchte mich zu sammeln, mich zu erinnern woher ich die Schönheit eigentlich kannte, kam zu dem Schluss, dass dem nicht so wahr, um den Bruchteil eines Momentes später dann zu der bitteren Erkenntnis zu gelangen dass das im Grunde genommen nebensächlich gewesen wäre, dass ich eine Gelegenheit verpasst hatte. Kurz drängte es mich, die Stabilität meines Hauptes so etwas an der nächsten Hauswand zu testen.

Ein singender, sichtbar alkoholisierter Mitbürger, der an einem "Vorfahrt achten!"-Schild auf der anderen Straßenseite lehnte,  riss mich aus diesen aufkeimenden, doch selbstzerstörenden Gedanken, ich blickte zu der betäubten Gesellen hinüber, worauf er sofort aufhörte zu singen. Und damit begann, mich mit gedankenlosem Blick anzustieren. Dabei rülpste er mehrmals, spontan, wie ich vermutete.

Ich blies die Backen auf, angesichts des Staccatos der Ereignisse, beschleunigte meinen Schritt, "Nur weg hier!", so dachte ich, doch nur Momente später blickte ich auf ein kleines, umeinander tapsendes Kind, das mit einem Blick auf das Rücklicht eines klapprigen Vélocipedes deutete und begeistert "Wauwau! Wauwau" rief,  worauf es die Mutter mit einem "Neinnein Schatz, das ist ein Fahrrad. Ein Fahrrad" korrigierte, doch die Kleine bestand mit einem "Wauwau! Wauwau!" auf ihrer Beobachtung, stolperte, fiel leicht auf die Nase und begann erschrocken laut und fürchterlich zu heulen.

In diesem Moment dachte ich tatsächlich an Paul Newman, der im besten Sportfilm aller Zeiten an irgendeiner Stelle treffend ausgedrückt: "Jesus Christ! What a f&?%$!§§g nightmare!"

20150408

spam der woche: diesmal: pikantes rendezvous?

Oft finden sich mehr oder weniger sinnhafte, elektronische Nachrichten im Posteingang, verfasst von Menschen, Unternehmen, Subjekten, über die man noch nie gehört oder gelesen hat; so auch bei mir. Werde diese Spams unregelmäßig zum Thema meiner Beiträge machen.

Folgende Email fand ich gestern in meiner Mailbox:

Betreff: "Bernd angelina jolie nackig"
Kommentar: Hätte so grundsätzlich absolut gar nichts gegen ein persönliches Treffen mit Frau Pitt,  halte es aber für ziemlich unwahrscheinlich. Ist also ein leeres Versprechen. Für entsprechende Photos würde eine kurze Internetrecherche vollkommen ausreichen.

Von: "Elfriede"
Kommentar: Einen Menschen solchen Namens kenne ich nicht, der Name an sich ist mir im Übrigen auch etwas zu altbacken. Das Ganze ist also insgesamt mehr als suspekt.

Beurteilung nach recht gründlicher Analyse:  DELETE!

20150209

chapeau!

Besagte Kappe (meine)
Es ist eine Zeit her, dass ich Sinnhaftes auf mein Internetzseitlein gestellt habe; auch die Geschichte, dich ich erzählen möchte, ist mir schon vor einer ganzen Weile passiert, darum habe ich auch vergessen wann genau oder an welchem Ort sie sich ereignet hat, sagen wir einmal, so vor drei Jahren, im Herbst, als ich wieder einmal mit meinem alten und bewährten Vélo umeinanderkreuzte.

Nach einer Weile Umeinanderkreuzerei machte ich eine kurze Pause, um mir einen heißen Kaffee zum Mitnehmen in den Rachen zu schütten und mir dabei gewohnheitsmäßig den Gaumen mittelschwer zu verbrühen.

Irgendwann war's dann auch genug mit dem Pausieren, ich schwang mich elegant auf mein Rad, beschleunigte leicht, rückte dann meine Mütze vorne am Schild zurecht - Fahrtwind und so - als mir ein älterer Herr - wie man sich die so vorstellt, braune Schuhe, beige Hosen, graue Jacke, eine dunkelbraune Schlägermütze tragend - also dieser mir unbekannte Herr bemerkte offenbar meinen Griff an die Kappe und griff ebenfalls kurz und mit kurzem Kopfnicken grüßend an seinen Hut, worauf ich wohlwollend mit dem Kopf nickte und mich über die höfliche Geste irgendwie freute.

War vielleicht ja nur eine Verwechslung, ein Mißverständnis - ganz egal - jedenfalls spürte ich höflichen Respekt zwischen uns beiden. "Echt alte Schule.", so dachte ich und fuhr etwas zufriedener.

20140916

über liebe und orthographie

Diesem Graffiti liege ich so ab und zu etwas nachdenklich gegenüber. ich liebe dihc Sava, so steht es gepinselt, und dieses dihc statt dem korrekten dich, das irritiert mich doch sehr. 

Ich liebe dihc, oder?
Sava ist ein Männername - wie ich netzmässig recherchiert habe - und so stelle ich mir eine echt verliebte, junge Frau vor, wie sie nach hoffnungsvoll getanem Werken angesichts des Verschreibers heftigste Peinlichkeitsattacken erleidet.

Es könnte aber auch  anders sein, nämlich echt raffiniert ausgedacht, weil absichtlich und etwas künstlerisch, um gezielt die Aufmerksamkeit des Liebsten zu erregen oder einfach Nachdenkereien jener Menschen zu provozieren, denen es zu gut geht und die keine größeren Sorgen auf der Welt haben, als sich über irgendwelche fehlerhafte Schmierereien ihr Hirn anzukurbeln.

A propos, drown your sorrows, steht nur einige Meter daneben, jaaah, das schreibt sich so einfach - denke ich mir - aber über diesen leichtsinnigen Slogan werde ich zu einem späteren Zeitpunkt philosophieren. Echt.

20140609

über rollfeldbullenhitze, maximalpuls und den letzten marathonmann

Habe mich gestern entschlossen ein Tempoeinheitlein hinzulegen, spontan, laufmäßig, das heißt, etwas kürzer als normalerweise, zehn Kilometer aber eben temporeicher. Nur, das Problem bei der Gedankenexekution war diese Bullenhitze, die gestern in Berlin vorherrschte, insbesondere auf dem Tempelhofer Feld, Ort meiner körperlichen Ertüchtigung, wo der Asphalt die Hitze verschluckt und gleichzeitig wieder gnadenlos ausspuckt und mich traf das das grundlos gänzlich unerwartet.

Hoppala, verkehrt herum...
Nach ungefähr fünfzehn Minuten in passablem Tempo machte sich diese Hitzephänomen in mir bemerkbar und äußerte sich durch einen zunächst schleichenden Rückgang meiner physischen Leistungsfähigkeit, durchaus verbunden mit einer notwendigen Entschleunigung, denn mein Puls näherte sich den notorischen Hundertachtzig;"...Scheiße, Krippner, du stinkst langsam ab...", so stöhnte meine innere Stimme, danach musste ich meine Geschwindigkeit noch weiter drosseln, wegen Maximalpuls und so, immerhin hatte ich inzwischen den Flugsteigzaun erreicht.

Dort begann mich ein sanfter, durch die Rollfeldbullenhitze erhitzter Saharawind zu umschmeicheln, und irgendein dahergelaufener, spöttischer, im Schneckentempo auf seinem Fahrrad vorbeischaukelnder Mitmensch warf mir mit menschenverachtendem Zynismus in der Stimme vor, dass es bergab und deshalb schneller gehen müsse. "A&%$$%&&loch", dachte ich, den verlockenden Gedanken an ein Hinterherrennen mit anschließendem Verprügeln verwarf ich augenblicklich, weinbergschneckelte weiter, tauchte dann ein, in eine spiritusverseuchte, leicht bläulich und unfassbar große und heiße Nebelbank, verursacht durch freudig vor sich hingrillende Mitbürger, worauf mich ein asthmaähnlicher Husten durchschüttelte, und nachdem mir dabei beinahe der linke Lungenflügel aus dem Leibe gehüpft war, fühlte ich mich für ein paar Momente wie dieser Kurtz in Joseph Konrads Meisterwerk "Herz der Finsternis" und ich murmelte: "...das Grauen, das Grauen...".

20140526

natural schiller quarter backyard art

Natural Schiller Quarter Backyard Art, oder?
Ganz entzückendes Photo aus einem der Hinterhöfe des recht weltberühmten Schillerkiez - heißt es eigentlich des Schillerkiez oder des Schillerkiezes, manchmal ziemlich happig diese Genetivkonstruktionen, bitte deswegen um Zuschriften - egal, darf jedenfalls schulmeisternd festhalten, dass man sämtliches Zeugs, das da so in diesen nicht mehr ganz so neuartigen Ladengallerien herumhängt oder herumsteht, verglichen mit diesem Geniestreich einer - noch - unbekannten, ungemein talentierten, kleinen Künstlerin; dieses Galleriezeugs darf man verglichen mit dem abgebildeten Meisterwerk  getrost ziemlich vielen Hasen geben. Es sind halt die kleinen Dinge im Leben...

20140523

der casanova vom körnerkiez

Giacomo (aus Venedig, nicht aus Neukölln)
Geschehen am Montag in den Neukölln Arkaden; nach vollendetem Einkauf im Kaufland stehe ich mit einem ziemlich vollen Rucksack auf der Rolltreppe aufwärts, bereits leicht unterzuckert, der Einkauf war also nötig.

Vor mir stehen zwei präpubertierende Jungmänner, schick gekleidet, ebenfalls aufwegs unterwegs. Einer von beiden wird von einem entgegenrollenden, hübschen Mädchen in seinem Alter mit einem fröhlichem "Hey Ali!" herzlichst gegrüsst. Blicke den so herzlich gegrüssten kumpelhaft, wissend und lächelnd an, darauf grinst er selbstvertrauend zurück und sagt stolz: " Isch bin Casanova!" und zeigt mir ein lässiges Don Juan-Grinsen. Ich antworte noch kumpelhafter mit "Ein Blick von dir genügt, oder?"."Klar, Mann.", sagte schnell und gockelig der kleine Casanova, vielleicht vom Körnerkiez, und wir verabschieden uns.

20140505

jessas!

Letztens ein beinahe unglaublicher Anblick oder fast erschreckender Augenblick, nämlich die Zeugen Jehovas mit gar hübschem Stand wie immer recht schick mit Anzug und Krawatte bekleidet und ihren Magazinchen mit den naiven Weltuntergangsbildern im Anschlag an der Admiralsbrücke herumstehend, offensichtlich so glaubensmäßig auf eine Masse eigentlich doch modisch atheistisch oder hedonistisch eingestellter berliner Neohipsters zielend, meine direkte Reaktion war...ja, tatsächlich eine Mischung aus Gefühl und Gedanke, nämlich: "Jessas!"

20140221

handyphotos aus berlin: eine schöne, alte welt...

...die gab es einmal in Neukölln, genauer gesagt gab es einen Biergarten mit selbigem Namen, fast direkt neben der Hasenheide.

Mensch, früher war halt alles besser.
Die "Alte Welt" also, ist momentan und wohl seit langem eher nicht so schön oder anders ausgedrückt zurzeit eher von herber Schönheit, bildlich nebenan ersichtlich. Vor der Aufnahme des nebige Potos war es auch nicht besser, es gab zunächst viel Urwald, dann kam Bauschutt, davor lag einfach nur irgendwelches möbliges Gerümpel herum, dann wurden des Winters Christbäume verkauft, aber davor, vor all diesem, da gab es wohl wirklich die echte, "Alte Welt", und ein ebenso echter Mensch kann sich das wirklich feststellen, wie es ganz bestimmt war, direkt neben der Hasenheide und wie es sein sollte auf den Kellern dieser Welt, dieses typische Gemurmel, das eine oder andere ziemlich herzliche Lachen zwischendurch, das eine oder andere Bier oder viel zu kaltes Glas Weiswein, serviert von richtigen, hübsch lächelnden Bedienungen, und die Sonne geht langsam unter und ganz langsam ist es Zeit wieder nach Hause zu gehen, leicht aber deutlich trunken und gleichzeitig voll von Seeligkeit, kultiviert in der schönen, der "AltenWelt".