Mein Fußballkollege Fritz - der Maler, ihr wisst schon - stellte seine Werke aus und hatte mich zur Vernissage eingeladen, und ich bin auch gegangen, erwartete Kleinigkeiten zu essen und zu trinken, freute mich darauf, etwas Künstleratmosphäre zu riechen, wollte ein paar Sätze mit Fritz wechseln, mir seine Bilder angucken und einfach schauen, was sonst noch so passiert und schließlich rotweinmäßig leicht beschickert und zufrieden nach Hause gehen.
So fuhr ich an diesem Freitag wie immer großartig unterstützt von meinen zahllosen Freunden bei der BVG nach Mitte, suchte etwas um den Veranstaltungsort herum, um ihn dann zu finden, betrat den Ausstellungssaal und war dann etwas überrascht. Die Menschen waren nicht etwa locker gekleidet, nicht casual sondern da waren Kostüme, Anzüge, einige haarscharf am Beerdigungsniveau vorbei, terroranschlagssichere, offensichtlich perfektionierte Frisuren, und da waren Brillen, die höchstwahrscheinlich selbst bei einem mittelschweren Erdbeben nicht verrutschten.
Man sah saubere Seitenscheitel, selbstverständlich jede Menge Schminke, zumindest geschmackvoll im Gesicht verteilt, wenn man so was mag, es roch nach Parfüm nach Rasierwasser, selbstverständlich waren alle Gesichter und wahrscheinlich auch sonstige Körperteile frisch rasiert, die Zähne, die waren am Weißesten und keiner hatte auch nur den kleinsten Pickel im Gesicht, es war im Wesentlichen so, wie man sich eine Vernissage im Fernsehen vorstellt. Ich kam mir etwas vor als wär ich bei den Guldenburgs gelandet, machte mich aber nicht auf die Suche nach Katharina Böhm, ich nahm an, dass die nicht da war.
Die Fortsetzung, der zweite Teil...
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