07.03.09

die äthiopienkoalition

Die FDP mausert sich zur neuen Protestpartei Deutschlands und marschiert auf die zwanzig...ach was...auf die dreißig Prozent zu. Wer es nicht glaubt, der betrachte einfach mal die Zahlen und Daten des ZDF-Politbarometers vom 6.März.2009. 

Wenn am kommenden Sonntag der Souverän, also das Wahlvolk, das meine ich jetzt, wir also, wenn wir wie immer fröhlich, wohlinformiert und abgefüllt mit Demokratiestolz unsere Wahlzettelchen in der Urne versenken würden, dann würden die Freiheitlichen stolze 15 % erreichen. Das berechneten die Wahlforscher der Forschungsgruppe Wahlen.

Das muss einem schon ein bißchen seltsam vorkommen, wenn während der vor sich hin tobenden Finanz- und Wirtschaftskrise unsere eifrigen, marktliberalen Libertären - denen unser Sozialstaat immer noch recht lästig ist, die sich aber solche Kommentare zurzeit verkneifen - dass diese FDP-Knaben so heftig gewählt werden.

Würde doch mehr Sinn machen, wenn in schlechten Zeiten die Parteien gewählt würden, die so ein bißchen - wie inzwischen wieder die CDU, die CSU eh und die SPD - dass also solche Parteien bevorzugt würden, die den Sozialstaat light oder den Sozialstaat full vertreten, damit meine ich natürlich die Linke.

Kompatibilität und Arbeitsteilung

Die Neolinken - inzwischen verstärkt durch einige eifrige Westsozis - spielen sich bekanntlich seit Jahrzehnten als Protestpartei im östlichen Teil unseres Landes auf, haben sich mit ihrer Lamentiererei tatsächlich schon in einige Landesregierungen gespült und sich dann doch erstaunlich pragmatisch zeigen.

So, und jetzt wird es logisch. Die Neo-Anarchisten sammeln - wie schon erwähnt - die bürgerlichen Protestwähler des deutschen Westens auf, und die Linke macht das seit langer Zeit im Osten. Protestpartei zu Protestpartei, irgendwie gesellt sich Gleiches zu Gleichem, wenn man man genau hinguckt.

Westerwelle und Lafontaine, Gysi und Dirk Dingsbumms, und ob jetzt die FDP mit der CDU und der ständig quertreibenden CSU koaliert oder mit den Linken, ist doch Wurst. Die einen warnen vor Enteignung, die anderen predigen die Verstaatlichung, das sozialistische und das liberal-konservative Protestpotential - das seltsamerweise die Spitzenleute der Koalitionsparteien gut findet, die Parteien aber nicht wählen würden - wird systematisch und konsequent aufgesammelt. Arbeitsteilung, ganz klar.

paßt doch

Das paßt doch gar nicht? So inhaltlich. Das werden möglicherweise einige Besucher meines Online-Politmagazines jetzt - und reichlich naiv, muss doch mal sagen - fragen. Aber nicht vergessen und wie schon angedeutet, regierungsmäßig haben die Neulinken ihre sozialpolitischen Prinzipien noch immer ignoriert. Und wenns zahlenmäßig nicht reicht, dann könnte man zur Not noch die heimlichen Wirtschaftsliberalen - nämlich die Grünen - mit ins Regierungsboot nehmen, mein Gott, dann werden halt ein paar Windmühlen mehr subventioniert, auch recht. Äthiopienkoalition wäre das dann, sozusagen.


P.S. Ganz zum Schluß noch ein heißer Tip: Wer ein paar Euro für den FDP Bürgerfonds (?) übrig hat und locker macht, der kann tatsächlich die Guido-Biographie "..und was bin ich..." oder so ähnlich gewinnen! Sen-sa-tio-nell!