10.01.10

weihnachten in der hasenheide

Dasy hält sich auf in Berlin, aber sie hat sich nicht ausgetobt, nicht gewütet wie anderswo, sondern die Stadt ganz sanft, aber reichlich mit Schnee eingedeckt.


Logisch, dass die Hasenheide letzten Sonntag beinahe überfüllt war, und zwar mit Leuten, die fröhliche, kleine Kinder fröhlich zum Schlittenfahren schleppten und zogen, um sich dann zusammen mit ihren Plagen gefährliche Abhänge hinunterzustürzen. Das ist natürlich übertrieben, denn was da an Erhebungen in der Heide herumsteht, das kann man bestenfalls mit dem Wort Hügelchen beschreiben.


Im Übrigen war sogar die Hasenschänke geöffnet, aber was heißt sogar, das war eigentlich zu erwarten, denn sobald auch nur ein bis zwei Menschen in der Heide versammelt sind, werden dort blitzschnell die Läden aufgeklappt, und das Geschäft eröffnet, egal bei welchem Wetter. Auch die zahllosen Kleinhändler gingen routiniert ihrem Gewerbe nach, Fußball wurde auch gespielt, ja, es war eigentlich wie immer, nur diese frostige Daisy, die machte den Unterschied.


Auch ich war unterwegs, allerdings nicht wegen der Rodlerei, vielmehr durchquerte ich die Heide am frühen Nachmittag auf dem Weg zu meiner üblichen Entspannungsübung und dabei konnte ich etwas von der wie immer guten Hasenheidestimmung auftanken. Nachdem ich mich ausreichend lesend und trinkend in einem Café mit dem Namen Fuchsbau vergnügt und entspannt hatte - und während dieser Zeit ganz zufällig und vorübergehend der Altersdurchschnitt der Kundschaft in der besagten Lokalität signifikant erhöht war - also nach der Entspannerei blieb mir nichts weiter übrig, als mich auf den Nachhauseweg zu machen. Es dämmerte bereits, und die meisten Eltern waren gerade damit beschäftigt, ihre Kinder wieder nach Hause zu schleppen.


schlittenzug


In der Grimmstraße, also noch in Kreuzberg, kam mir dann ein ganzer Schlittenzug entgegen. Drei Rodel waren hintereinander und zusammen gebunden, auf jedem der Schlitten saßen zwei bis drei ausgelassene Kinder und gezogen wurde das Ganze von einem der Erzeuger, so nehme ich an, der sich dazu ziemlich ins Zeug legen musste.

Die sieben bis acht Quälgeister sangen laut und mit großer Freude und Ausdauer "tick, tack, tick, tack", unterbrachen ihr Geschrei ab und zu, um sich mindestens genau so laut beinahe kaputt zu lachen und begannen wieder mit ihrem "tick, tack, tick, tack". Als ich dem Zug begegnete, steckte mich ihre Ausgelassenheit an, und ich musste ganz kurz, aber laut lachen. Der Zugführer grinste, er schien mindestens genau so gut gelaunt wie seine Passagiere. Irgendwie war heute noch mal Weihnachten, Weihnachten in der Hasenheide.