22.02.10

meine bonner (2): guido's party depression (i)

Der Guido war letzte Woche nicht im VHS-Kurs, Business English for Dummies, ihr wisst schon, Mittwoch abend, von sechs bis acht, in Berlin-Mitte, hab ich doch schon mal erzählt, oder?  

Normalerweise fehlt der nie, hat Angst um seinen Pensionsanspruch, ihr wisst schon, kommt also immer, auch weil der Günthie und ich lustige Kerle sind, naja, der Günthie weniger, aber Georgie, unser Lehrer, der auf jeden Fall. Letzte Woche hat der Guido dann sogar einen Kumpel mitgebracht, den Rainer. "This is Rainer", hat er ihn gleich auf Englisch vorgestellt, "He is my college and also my party friend.", so hat er gesagt. Mit dem Rainer kann man ziemlich gut saufen und deshalb hat sich unser teacher Georgie gleich mit ihm angefreundet.

Der Günthie - der letzte Woche endgültig ein ziemlich hohes Viech in Brüssel geworden ist - hat sich dann Sorgen gemacht und sogar unser Lehrer, der Georgie, hat nach dem Guido gefragt: "Where the heck is Weirdo? Hey, Rainer let's go and have a drink or two or three...", dann grinste er zufrieden, hielt seinen Kopf leicht schief und hielt ihn in die Runde, machte er immer wenn er glaubte, einen guten Witz gelandet zu haben.  Der Rainer hat sich kurz kaputt gelacht und mit einem "With this you do not have to ask me this twice", geantwortet und die beiden sind dann abgezogen.

Der Günthie hat mir vorgeschlagen, mal bei Guido vorbeizuschauen, zu klingeln. Wollte einfach auf Nummer sicher gehen, nicht dass noch was passiert. "Okay", hab ich gesagt, "Wenn's sein muss." Der Guido wollte dann erst nicht aufmachen, hat er erst gemacht, als wir Sturm geklingelt haben und der Günthie nochmal handymässig angerufen hat, und wir sind dann hochgegangen und da stand der Guido an der Tür und hat ausgeschaut wie der Tod höchstpersönlich.

Wir sind dann in seine Wohnung reingegangen. Es war ganz dunkel, alle Vorhänge waren zugezogen. "Liebeskummer?", hat der Günthie dann ganz sensibel gefragt, so ist er halt. "Nee, die mögen mich nicht mehr. Keiner mag mich mehr, keiner.", so hat er gejammert, "Alle hacken sie auf mir rum und ich habe nur noch acht Prozent bei den Umfragen". "Wegen der Englischsache?", fragte ich.

"Nee, ist doch nur weil ich die Steuern senken möchte und für die Freiheit bin und außerdem für die Melkkühe der Nation. Versteh das nicht. Versteh das einfach nicht." Für einen recht kurzen Moment überlegte ich, was denn "Melkkühe" auf Englisch heißt, und ich glaub der Günthie auch, denn wir zuckten beinahe gleichzeitig mit den Achseln, auch die Personenschützer guckten recht ratlos aus der Wäsche.

Die beiden waren mir am Anfang etwas unheimlich, sagten nie einen Ton, hatten immer Sonnenbrillen auf und so, aber der Guido hat gemeint, die sind schon ganz okay. Siggi, der eine der beiden, der hat so 'nen leichten Silberblick, und der Hans, der andere, bohrt so ab und zu gelangweilt in der Nase. Der Günthie hatte seinen frei gegeben, "In Berlin kennt mich eh kein Sau!", hat er gemeint. Hat er wohl recht.

Ich schlug vor ins Bierkrug fünf nach Neukölln zu fahren, um mal wieder richtig Party zu machen, muss dazusagen, die Fünf ist unser Stammlokal, der Rainer versorgte die inzwischen auch mit gutem Wein aus Rheinland-Pfalz, seitdem fühlt der sich da sauwohl. Erst zierte sich der Guido, wollte dann doch kein Frosch mehr sein und ein paar Momente später saßen wir in der U 8 und zuckelten Richtung Herrmanstraße.

Und in der Fünf war bereits der Bär los. "Highway to Hell" plärrte durch die Eckneipe, und der Georgie hüpfte mal wieder mit einer Flasche Ballantine's in der Hand auf dem Thresen herum und wurde von den Bikern - die das Gros der Stammbesetzung im "Baum" stellten - mit lauten Hey! Hey! Hey!-Rufen angefeuert. Der Rainer saß an einem Ecktisch - auf dem sich ein halbes Dutzend leere Weinflaschen versammelt hatten - und versuchte Rübe - der seine Harley mehr liebte als seine Ehefrau und ungefähr so ausguckte wie die beiden Frontmänner von ZZ Top - verzweifelt die Marktwirtschaft zu erklären. Ja, so war er, der Rainer, unser wackerer Marktliberaler, ein Idealist, egal in welchem geistigen Zustand.  to be continued...