19.08.10

meine bonner (4): die gute fee

So ab und an sitze ich in einem, meinem Café, irgendwo in der großen Stadt und trinke einen Italiener oder zwei, les' Zeitung dabei, so in aller Ruhe, um mal abzuschalten, um mal wieder zu lesen, was die klugen Zeitungsschreiber so von sich geben, um zu wissen was so los ist, in der großen, weiten Welt und um allein zu sein, aber mitten unter Menschen.


Und so vor ein paar Monaten, als ich mal wieder am herumlesen war, so zeitungsmässig, meine Nase ziemlich tief in die Buchstaben steckte - war mit dem Sportteil fertig und musste deshalb zwangsläufig im Feuielleton herumstöbern und schaute kurz auf, um ganz kurz einen Blick auf meine Bedienerin zu werfem - jedenfalls saß sie plötzlich vor mir, kann gar nicht sagen wie sie dahin kam, saß plötzlich da, mir gegenüber wie schon erwähnt. Ursula sei ihr Name, so stellte sie sich vor. Und seitdem taucht sie auf, jedes mal wenn ich im zeitunglesend im Café sitze, wirklich unmerklich. Ursula.

Und dann fängt sie einfach an zu erzählen, mit deutlicher, reiner, klarer, aber weicher Stimme, so erzählt sie mir, irgendwas, bestimmt irgendwas ziemlich Kluges, kann ich mir vorstellen, denn ich kann nicht folgen, mein jetzt nicht so sinngemäß, studier' ja schließlich schon einige Zeit, Philosophie, aber sie spricht zu salbungsvoll, zu klar, zu rein, zu weich und fürsorglich, redet mich geradewegs und beinahe von einem Moment zu anderen, schalt' ich irgendwie ab, verfalle in Trance, Fremdmeditation.

Ich komme erst wieder zu mir, wenn sie sagt: "Es war wieder einmal ein großes Vergnügen mit ihnen zu plaudern, mein Lieber, bis zum nächsten mal. Auf Wiedersehen!" Und ich stehe dann recht verkrampft auf, nehme ihre Hand, schüttele sie ganz vorsichtig und stammle: "Mhm, auch." Und sie geht, oder besser, verschwindet. Stehe dann meistens da, noch eine Weile, bis meine Bedienerin fragt: "Entschuldige, aber willst du vielleicht noch was trinken?." Ursula...