04.09.10

die sonne über berlin

Ich ziehe meiner Wege, muss man ja schließlich, macht man ja eh, wandere die Hermannstraße entlang in Richtung Postbank, weil ich einen ziemlich wichtigen Großbrief loswerden möchte.

Dabei komme ich an einem Bräunungsstudio vorbei, das zwischen den unzähligen Wettbüros und Spielcasinos geradezu auftaucht. Auf den Schaufenstern des Studios sind mehrere, überlebensgroße, einigermaßen leicht bekleidete und äußerst attraktive, junge Frauen abgebildet, die mich lockend anlächeln.

Erinnert mich irgendwie an diesen Laden für alle möglichen Erwachsenenutensilien, im Westen der Hauptstadt, an dem ich auch so ab und zu vorbeispaziere, ist ganz in der Nähe des Cafés, in dem ich manchmal Espresso trinke und Zeitung lese, muss also da vorbei, komme jetzt nicht extra wegen des Ladens dorthin. Jedenfalls sind da auch mehrere, überlebensgroße, einigermaßen leicht bekleidete und äußerst attraktive junge Frauen in den Schaufenstern zu sehen.

Ich frage mich einfach mal so, ob diese äußerst attraktiven Frauen tatsächlich in dem Bräunungsstudio natürlich herumturnen und ob es in dem Sonnenladen auch Erwachsenenspielzeug gibt oder ob das nur ein geschickter Werbetrick ist, um die Neuköllner Männerschaft in dieses Studio zu locken.

Möglicherweise gibt es ja mehrere, ja unzählige dieser Bräunungsstudios verteilt in ganz Neukölln, und die beschriebenen knapp bekleideten jungen Frauen zieren die Schaufenster all dieser Studios und sind der Grund dafür, dass so viele junge, gerade geschlechtsreif gewordene Männer im schönen Neukölln leicht gebräunt durch die Kieze stolzieren, sogar im trüben und deshalb deprimierenden Berliner Winter, der bekanntlich absolut sonnenlos ist.

Andererseits stöckeln mindestens genauso viele, gesund gebräunte, junge Frauen durch die Straßen und Gassen von Nordneukölln, spricht jetzt gegen meine These, und ich wende den Blick vom Sonnenstudio zwischen den Wettbüros und den mich lockend anlächelnden jungen Frauen ab und plötzlich leuchtet eine rote Ampel vor mir, stehe aber schon mit zwei Schritten auf der Straße, bekomme eine wütende Hupe ab, zwei junge, gesund gebräunte Männer beschimpfen mich aus dem Auto heraus, ich mache schnell zwei Schritte zurück, macht Sinn, denke ich und dann denke ich mir, MannMannMann, was einigermaßen leicht bekleidete und äußerst attraktive junge Frauen alles so anrichten können, und dann wieder an meinen wichtigen Großbrief, ziehe weiter meiner Wege, macht man ja eh.

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