08.10.10

kleine geschäfte und die große politik

Zeit: 8.Oktober 2010, so gegen vier, mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ). Ort: Berlin-Mitte, Schumannstraße 8, Residenz der Heinrich-Böll-Stiftung.

Gebe mir die 11. Außenpolitsche Tagung, eben der Heinrich-Böll-Stiftung, geht um die EU und Osteuropa und Rußland, und was man da so machen kann und sollte, so institutionenmäßig und überhaupt. Habe bis zum letzten Panel tapfer durchgehalten, muss sich ja bilden so als Staatsbürger, hab' ich mir gedacht.

Gehe auch Nummer Sicher und vorher noch auf's Klo, reger Betrieb dort, besetze das letzte freie Urinal und bemerke, dass Reinhard Bütikhofer höchstpersönlich neben mir uriniert. Spiele mit dem Gedanken, ihm meine Karte in die freie Hand zu drücken. Netzwerken und so. Problem: Kann nicht freihändig und weiß auch nicht, ob er das drauf hat, zu unsicher, würde wahrscheinlich eine Riesensauerei verursachen, also besser nicht.

Dummerweise ist er lange vor mir fertig. Habe wohl zu viel Kaffe getrunken. Hastig erledige ich meine Aufräumarbeiten, spiele dann mit dem Gedanken die Händewascherei ausfallen zu lassen, um ihn noch zu erwischen, was aber meine gute Kinderstube verhindert. Als ich dann in den Veranstaltungssaal komme, sitzt er schon auf seinem Stuhl auf der Bühne, traue mich nicht mehr.

Kurz vor Ende der Diskussion, bekommt der Reinhard Bütikhofer einen ganz roten Kopf und hält einen kurzen, aber flammenden Appell für die europäische Idee. Alle applaudieren, ich applaudiere, mit gewaschenen Händen, versteht sich.