Ich erlaube mir einige, recht oberflächliche Gedanken über diese Politikverdrossenheit. Nur so, muss ja schließlich irgendwas auf den Blog hacken.
Unser Bürger im Allgemeinen, der ist scheinbar der Meinung, dass der gemeine Politiker nicht im öffentlichen Interesse regiert und darüber hinaus keine Ahnung hat. Doch bemerkenswerterweise reagierte dieser, unser Bürger während der - angeblich so gravierenden - Finanzkrise mit stoischer Gelassenheit.*
Da stellt sich doch die Frage, nein, es stellen sich mehrere, nämlich wo dieses bürgerliche Urvertrauen so unvermittelt aufgetaucht ist, wo es denn herstammt, herrührt oder ob das schon immer da war, und wenn es kein Urvertrauen sein sollte, wem galt dann dieses Vertrauen? Doch den Politikern? Den Bankern? Kaum, denn der Politiker, der ist ja - wie erwähnt - ahnungslos, und der Banker kriminell. Wem wurde also vertraut, oder auf was? Gar auf die Demokratie? Auf den lieben Gott? Oder vertraute der gemeine Bürger auf die geballte, politsche Zuständigkeit des eigenen Standes?
kann man nix machen
Letzteres wohl nicht, denn unser Politikverdrossene hat das unbestimmte Gefühl, dass man ja allein eh nichts machen kann, weil der Politiker an sich - Karl-Theodor etc. von und zu Guttenberg mal ausgenommen - erstens ungerecht und zweitens ahnungslos ist - wie schon zweimal erwähnt - und außerdem macht was er will, politisches Engagement, das ist deshalb zwecklos und sinnlos, wir alle sind politisch ohnmächtig, Opfer der herrschenden, unwissenden, korrupten Politikerclique.
Offenbar gilt das vorherrschende Prinzip, dass jeder der Volksgemeinschaft verpflichtet ist, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, keinesfalls ohnmächtig sein kann, dass alle können, wenn sie nur wollen und dass in gewissen gesellschaftlichen Lebensbereichen heftigst abverlangt wird, für den frustrierten Staatsbürger und in den politischen Welten gilt das nicht. Wendet man aber unser oberstes Prinzip konsequent an, dann wäre der Bürger im Allgemeinen politisch zu faul und würde diese Bequemlichkeit auf Kosten der politisch Engagierten - übrigens auch der Politiker - ausleben. Trittbrettfahren.
demokratie - 'ne gute sache
Die Demokratie - auch so im Allgemeinen - die ist für unseren politisch Enttäuschten eine richtig gute Sache, die beste der Staatsformen, sie funktioniert im Moment bloß nicht so besonders gut, wegen der Politiker, so unser Bürger, ansonsten ist die schon okay. Doch die Urteile unseres politikverdrossenen Bürger beruhen auf einem gewissen Maß an Unwissenheit und auf Affekt, und mit solcherlei Empfinden steht man so gerade in den Startlöchern ernsthafter politischer Diskussion. Und weil das so ist, kommt es in letzter Zeit zu diesen hysterischen, deshalb unsinnigen Diskussionen über alles mögliche und gleichzeitig über gar nichts.
Und daran anschließend und wieder mal so ganz allgemein schließend und noch dazu hochnäsig: Alle Gewalt geht möglicherweise gegenwärtig nicht so recht vom Volke aus, stimme zu, aber hat das nicht auch damit zu tun, dass das Volke selbst keine rechte Lust hat, sich wirklich, sondern nur recht sparsam oder gar nicht mit Politik zu beschäftigen? Empfinde da etwas (Mit-)Bürgerverdrossenheit.
* Der Bürger im Besonderen hingegen, der Betroffene also, der reagierte alles andere als gelassen, verständlicherweise, denn er hatte vor der Krise Urvertrauen, zu irgendeinem übereifrigen der kleineren Banker und bezahlte dafür.
* Bei der Beurteilung unserer Politiker ist sich unser Bürger ulkigerweise mit dem kriminellen Banker einig.
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